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Apophyllitgruppe
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top
Die Apophyllitgruppe (kurz Apophyllit) ist eine Bezeichnung fĂŒr eine Gruppe von relativ hĂ€ufig vorkommenden Mineralen aus der Mineralklasse der Silikate. Strukturell gehören die Apophyllite zu den Schichtsilikaten (Phyllosilikaten). Sie kristallisieren im tetragonalen Kristallsystem bzw. im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung (K,Na)Ca4Si8O20(F,OH)·8H2O.cite-ref-deerhowiezussman-1-1[1] Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Kalium und Natrium bzw. Fluor und Hydroxidionen können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben MengenverhĂ€ltnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals. Die Minerale der Apophyllitgruppe werden, hĂ€ufig in Begleitung von Zeolithen, als sekundĂ€re Bildungen in HohlrĂ€umen in Basalten, Phonolithen oder anderen basischen Vulkaniten gefunden.
Contents
âą Klassifikation
âą Chemismus
âą Kristallstruktur
âą Eigenschaften
âą Morphologie
âą Verwendung
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Etymologie und Geschichte
Erstmals wurde Apophyllit im Jahre 1784 von Carl Rinman, dem Sohn von Sven Rinman, als âZeolith von Hellestaâ in Schweden erwĂ€hnt und dabei auch mit den Trivialnamen âGĂ€sstenâ und âBrausesteinâ bedacht. Als eigenstĂ€ndiges Mineral wurde Apophyllit zuerst von JosĂ© BonifĂĄcio de Andrada e Silva als âIchthyophthalmeâcite-ref-andrada-3-0[3] beschrieben, wobei das Originalvorkommen des âIchthyophthalmâ die Insel Utö im sĂŒdlichen Stockholmer SchĂ€rengarten ist. Abraham Gottlob Werner deutschte den Namen zu âFischaugensteinâ ein. Der Name nimmt Bezug auf den Perlmuttglanz der BasisflĂ€che, der einem gekochten Fischauge Ă€hnelt. RenĂ©-Just HaĂŒy betrachtete 1801 einen Apophyllit aus Island ursprĂŒnglich als eine VarietĂ€t des von ihm aufgestellten Mesotyps und benannte ihn âMĂ©sotype Ă©poinlĂ©eâ, bezeichnete das Mineral aber vier Jahre spĂ€ter im Hinblick auf das Verhalten vor dem Lötrohr (nach dem griechischen Wort áŒÏÏÏÏÎ»Î»ÎŻÎ¶Ï [apophyllizo] fĂŒr âentblĂ€tternâ) als Apophyllit. David Brewster hat gefunden, dass der Apophyllit von den FĂ€röer-Inseln im polarisierten Licht die Charakteristika zweiachsiger Kristalle zeigt und stellte die eigene Spezies âTesselitâ (nach dem lateinischen Wort âtessellaâ, Diminutiv von tessera, WĂŒrfelchen) auf.cite-ref-hintze-4-0[4] Eine Ăbersicht weiterer historischer Namen geben Pete Dunn und Wendell Wilson.cite-ref-dunn-5-0[5] Apophyllit-Kristalle werden auch im weltweiten Rahmen vor allem mit den Vorkommen im indischen Dekkan-Trapp assoziiert. Seit dem Bau der Eisenbahn zwischen Mumbai und Pune im Jahre 1851, spĂ€testens aber seit dem Beginn des Baubooms Anfang der 1970er Jahre, sind aus dem Dreieck, welches die StĂ€dte Mumbai, Pune und Nashik bilden, im wahrsten Sinne des Wortes unzĂ€hlige hervorragende Apophyllitstufen geborgen worden.
WĂ€hrend der Name âApophyllitâ nicht fĂŒr ein einzelnes Mineral steht, sondern fĂŒr zwei Mischkristallreihen und damit fĂŒr eine ganze Mineralgruppe, wurden die Namen der Endglieder im Jahr 1978 von der IMA neu benannt. Nach diversen weiteren Umbenennungen besteht die Apophyllit-Gruppe nun aus den folgenden, von der IMA anerkannten Mineralencite-ref-ima-liste-2016-6-0[6]cite-ref-fleischerback-7-0[7], wobei zur Apophyllitgruppe gelegentlich auch ein weiteres Mineral, nĂ€mlich der Carletonit, hinzugefĂŒgt wird.
⹠Fluorapophyllit-(K) (ehemals Fluorapophyllit und Apophyllit-(KF)); ditetragonal-dipyramidal; KCa4[(F,OH)|(Si4O10)2]·8H2Ocite-ref-strunznickel-8-0[8]
⹠Hydroxyapophyllit-(K) (ehemals Hydroxyapophyllit und Apophyllit-(KOH)); ditetragonal-dipyramidal; KCa4[(OH,F)|(Si4O10)2]·8H2Ocite-ref-strunznickel-8-1[8]
⹠Fluorapophyllit-(Na) (ehemals Natro-Apophyllit und Apophyllit-(NaF)); orthorhombisch-dipyramidal; NaCa4[F|(Si4O10)2]·8H2Ocite-ref-strunznickel-8-2[8]
⹠Fluorapophyllit-(Cs) (IMA 2018-108a); ditetragonal-dipyramidal; CsCa4(Si8O20)F(H2O)8cite-ref-agakhanov-et-al-2019-9-0[9] bzw. CsCa4[F|(Si4O10)2]·8H2O
âą Fluorapophyllit-(NH4) (IMA 2019-083); ditetragonal-dipyramidal; NH4Ca4(Si8O20)Fâ
8H2Ocite-ref-tevko-et-al-2020-10-0[10]
⹠Carletonit; ditetragonal-dipyramidal; KNa4Ca4[(OH,F)|(CO3)4|Si8O18]·H2Ocite-ref-strunznickel-8-3[8]
Klassifikation
In der mittlerweile veralteten, aber noch gebrĂ€uchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörten die Apophyllite zur Mineralklasse der âSilikate und Germanateâ und dort zur Abteilung der âSchichtsilikate (Phyllosilikate)â, wo die drei Endglieder die Apophyllitgruppe mit der System-Nr. VIII/H.01 bildeten.
Die seit 2001 gĂŒltige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunzâschen Mineralsystematik ordnet die Apophyllite ebenfalls in die Klasse der âSilikate und Germanateâ und dort in die Abteilung der âSchichtsilikate (Phyllosilikate)â ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Schichten, so dass die drei Apophyllit-Endglieder entsprechend ihrem Aufbau in der Unterabteilung âEinfache Tetraedernetze mit 4, 5, (6) und 8 beteiligten Ringenâ zu finden sind, wo sie wiederum die Apophyllitgruppe mit der System-Nr. 9.EA.15 bilden.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebrĂ€uchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet die Apophyllite in die Klasse der âSilikate und Germanateâ und dort in die Abteilung der âSchichtsilikatmineraleâ ein. Hier bilden die drei Apophyllit-Endglieder zusammen mit Carletonit ebenfalls die âApophyllitgruppeâ mit der System-Nr. 72.03.01 innerhalb der Unterabteilung der âSchichtsilikate: Zweidimensionale unbegrenzte Lagen mit anderen als sechsgliedrigen Ringen: 3-, 4- oder 5-gliedrige Ringe und 8-gliedrige Ringeâ.
Chemismus
Die drei Gruppen-Endglieder bilden Mischkristallreihen. Diese sind ohne aufwĂ€ndige Analysen nicht voneinander zu unterscheiden und treten in der Regel nicht in der idealen Zusammensetzung auf.cite-ref-dunn-5-1[5] Das F/(OH)-VerhĂ€ltnis wechselt mit den Endgliedern Fluorapophyllit-(K) und Hydroxyapophyllit-(K). Alle drei Endglieder weisen hohe Calcium-Gehalten zwischen 24 und 25 Gew.-% auf, Kalium ist formelwirksam im Fluorapophyllit-(K) und im Hydroxyapophyllit-(K), Natrium hingegen nur im Fluorapophyllit-(Na) vorhanden.cite-ref-handbookofmineralogy-fluorapo-k-11-0[11]cite-ref-handbookofmineralogy-hydroxyapo-k-12-0[12]cite-ref-handbookofmineralogy-fluorapo-na-13-0[13] In manchen Ammonium-haltigen Apophylliten sind bis zu 25 % des stöchiometrischen K+ durch NH4+ ersetzt. Möglicherweise existiert hier eine weiter Mischkristallreihe zwischen Fluorapophyllit-(K) und einem hypothetischen Endglied Fluorapophyllit-(NH4).cite-ref-marriner-14-0[14] Insbesondere indische Apophyllite aus stark porösen Basalten, die Maximalgehalte von 600 ppm bis 750 ppm Vanadium besitzen, weisen in ihrem Spurenelementbestand Gehalte von 1600 ppm Vanadium und 350 ppm Mangan auf. Es hat sich herausgestellt, dass das Vanadium als vierwertiges Vanadium in Form des Vanadyl-Ions (VO2+) fĂŒr die grĂŒne Farbe der indischen Apophyllite und auch fĂŒr deren Dichroismus verantwortlich ist.cite-ref-rossman-1974-15-0[15]cite-ref-rossman-2015-16-0[16]
Kristallstruktur
Die Minerale der Apophyllitgruppe kristallisieren tetragonal in der Raumgruppe P4/mnc (Raumgruppen-Nr. 128)Vorlage:Raumgruppe/128 (Fluorapophyllit-(K) und Hydroxyapophyllit-(K)) bzw. orthorhombisch in der Raumgruppe Pnnm (Raumgruppen-Nr. 58)Vorlage:Raumgruppe/58 (Fluorapophyllit-(Na)).
Apophyllit weist eine ungewöhnliche Einschichtstruktur auf, die aus endlosen Schichten bzw. Netzen von SiO4-Tetraedern parallel (001) besteht (vgl. dazu auch die nebenstehenden Abbildungen). Im Gegensatz zu den Sechserringen der Glimmergruppe werden diese Schichten aus Vierer- und Achterringen von eckenverknĂŒpften [SiO4]4â-Tetraedern aufgebaut. Die Viererringe zeigen bezĂŒglich der c-Achse alternierend nach oben und nach unten. Die Schichten sind miteinander durch groĂe Calcium-Ionen verknĂŒpft, die aus jeder der benachbarten Schichten zwei Sauerstoffatome, ein (OH,F)-Ion und zwei H2O-MolekĂŒle verbinden. Die Verbindung der H2O-MolekĂŒle mit den Sauerstoffatomen der SiO4-Tetraeder geschieht ĂŒber WasserstoffbrĂŒckenbindungen. Jedes (OH,F)-Ion ist von vier koplanaren Calcium-Ionen umgeben, wĂ€hrend jedes Kalium- bzw. Natrium-Ion von acht H2O-MolekĂŒlen umgeben ist. Auf diese Weise wechseln die Tetraederschichten kontinuierlich mit Schichten, die aus den groĂen Kationen von Calcium, Natrium und Kalium sowie Fâ/OHâ sowie H2O-MolekĂŒlen bestehen. Die Anordnung der Schichten parallel (001) erklĂ€rt die sehr vollkommene Spaltbarkeit der Apophyllite in diese Richtung.cite-ref-strunznickel-8-4[8]cite-ref-okruschmatthes-17-0[17]cite-ref-deerhowiezussman-1-2[1]cite-ref-marriner-14-1[14]
Eigenschaften
Morphologie
Die Minerale der Apophyllitgruppe finden sich in fast immer aufgewachsenen, bis zu 20 cmcite-ref-handbookofmineralogy-fluorapo-k-11-1[11] groĂen und bis 1 kgcite-ref-ottens-19-0[19] schweren Kristallen, die im Wesentlichen in drei verschiedenen Grundtypen mit den HauptflĂ€chenformen {100}, {101}, {001} und {210} auftreten (siehe dazu auch die nebenstehenden Kristallzeichnungen). Bei Vergleichen mit historischen Kristallzeichnungen muss beachtet werden, dass die Aufstellung der Kristalle in modernen Zeichnungen gegenĂŒber der frĂŒheren morphologischen Orientierung um 45° gedreht ist.
Kristalle des Typs I sind pyramidal mit der trachtbestimmenden tetragonalen Dipyramide {101}, welche durch das Prisma {110} und das Basispinakoid {001} modifiziert werden kann. Kristalle des Typs II sind durch Vorherrschen von {110} und {001}, die sich oft im Gleichgewicht befinden, prismatisch bis wĂŒrfelĂ€hnlich und Kristalle des Typs III durch Dominanz von {001} tafelig.cite-ref-hintze-4-1[4] Die FlĂ€chen von {110} weisen durch gleichzeitiges Auftreten von {110} und {210} hĂ€ufig eine deutliche und tiefe, kantenparallele Streifung sowie Rundung auf.cite-ref-klockmann-2-2[2] Im Gegensatz dazu steht die bereits Ende des 19. Jahrhunderts vertretenes Meinung, dass die Streifung der Apophyllite durch Baufehler mit Bildung zahlloser aneinandergrenzender Subindividuen entsteht, wobei die individuellen Blöcke um jeweils 1° bis 3° versetzt sind.cite-ref-rumpf-20-0[20]cite-ref-ottens-indien-21-0[21] Die FlĂ€chen von {001} sind oft matt oder sogar rau. Der Winkel zwischen den FlĂ€chen (111) und (001) betrĂ€gt 119,5°, zwischen zwei (111)-FlĂ€chen 104° und zwischen (111) und (100) 128°.cite-ref-dunn-5-2[5] Neben Kristallen bildet Apophyllit auch blĂ€tterige, schalige, körnige oder strahlige sowie chalcedonartige oder porzellanĂ€hnliche Aggregate.cite-ref-hintze-4-2[4]cite-ref-klockmann-2-3[2]
Physikalische und chemische Eigenschaften
In reiner Form ist Apophyllit farblos und wasserklar-durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung sind die Kristalle viel hĂ€ufiger aber weiĂ oder zeigen durch Fremdatome (z. B. vierwertiges Vanadium in Form des Vanadyl-Ions VO2+) bzw. durch EinschlĂŒsse anderer Minerale (Seladonit, Chlorit, HĂ€matit, Goethit) graue, rosen- bis fleischrote, gelbliche, grĂŒnliche bis grĂŒne oder sogar blĂ€uliche Farbtöne, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Mozartit, der fĂŒr gelbliche, rote und beigefarbene Töne verantwortlich gemacht wurde, tritt hingegen nicht als Einschlussmineral auf.cite-ref-ottens-indien-21-1[21] Gelegentlich wurden sogar dichroitische Kristalle mit blaugrĂŒnen Farben parallel [001] und blass gelbgrĂŒnen Farbtönen senkrecht dazu angetroffen.cite-ref-rossman-1974-15-1[15] Es hat sich gezeigt, dass sowohl fĂŒr den Dichroismus als auch fĂŒr die grĂŒne Farbe zumindest der indischen Apophyllite hohe Gehalte an Vanadium verantwortlich sind.cite-ref-rossman-1974-15-2[15]cite-ref-rossman-2015-16-1[16]
Die Strichfarbe der Apophyllite ist hingegen immer weiĂcite-ref-handbookofmineralogy-fluorapo-k-11-2[11]cite-ref-dunnrousenorberg-22-0[22] oder hellgraucite-ref-matsueda-23-0[23]. Die OberflĂ€chen der durchscheinenden bis durchsichtigen Kristalle weisen auf den FlĂ€chen von {110} einen glasartigen Glanz, auf den FlĂ€chen von {001} und auf SpaltflĂ€chen hingegen Perlmuttglanz auf. Apophyllit besitzen eine sehr vollkommene Spaltbarkeit nach {001}, gelegentlich wird noch eine unvollkommene Spaltbarkeit nach {110} genannt. Apophyllit bricht aufgrund seiner Sprödigkeit aber Ă€hnlich wie Amblygonit, wobei die BruchflĂ€chen uneben ausgebildet sind. Mit einer MohshĂ€rte von 4 bis 5 gehören die Apophyllite zu den mittelharten Mineralen, die sich wie die Referenzminerale Fluorit und Apatit mehr oder weniger leicht mit einem Taschenmesser ritzen lassen. Die gemessenen Dichten fĂŒr Apophyllite betragen 2,33 g/cmÂł bis 2,37 g/cmÂł, die berechneten Dichten liegen zwischen 2,30 g/cmÂł und 2,37 g/cmÂł.cite-ref-handbookofmineralogy-fluorapo-k-11-3[11]cite-ref-handbookofmineralogy-hydroxyapo-k-12-1[12]cite-ref-handbookofmineralogy-fluorapo-na-13-1[13]
Im DĂŒnnschliff sind Apophyllite farblos und weisen anomale Interferenzfarben auf.cite-ref-deerhowiezussman-1-3[1] Charakteristisch fĂŒr die Apophyllite ist eine auffallend geringe Doppelbrechung und eine oft im gleichen Kristall zu beobachtende Variation des optischen Charakters von positiv zu negativ. Apophyllite sind hĂ€ufig optisch anomal und zweiachsig.cite-ref-klockmann-2-4[2] Die optischen Anomalien des Apophyllits sind seit langem bekanntcite-ref-brewster-24-0[24]; sie Ă€uĂern sich neben der Zweiachsigkeit u. a. in Felderteilung und den âApophyllit-Ringenâ, einer Farbbesonderheit bei den Interferenzfiguren.cite-ref-hintze-4-3[4] Apophyllit ist stark pyroelektrisch derart, dass sich beim AbkĂŒhlen des erhitzten Kristalls die Enden seiner Hauptachse positiv, die mittleren Regionen negativ aufladen.cite-ref-hankel-25-0[25]
Apophyllite zeigen durch die Abspaltung des Kristallwassers eine deutliche Reaktion vor dem Lötrohr. Dabei blĂ€ttern sie in charakteristischer Weise auf und schmelzen leicht zu weiĂem blasigem Email, auf Kohle hingegen zu einer klaren durchsichtigen Kugel. Eine ViolettfĂ€rbung der Flamme findet nur in der NĂ€he der Probe statt. Im Kölbchen unter Wasserabgabe matt werdend; Fluor-Reaktion. Durch SalzsĂ€ure und SalpetersĂ€ure leicht, durch SchwefelsĂ€ure schwer zersetzbar, wobei sich ein schleimiger bis gallerteartiger RĂŒckstand bildet, der nach dem GlĂŒhen schwerer angreifbar ist. Das Pulver reagiert stark alkalisch, auch nach dem GlĂŒhen.cite-ref-hintze-4-4[4]cite-ref-rinman-26-0[26]
Modifikationen und VarietÀten
Viele Apophyllite sind kontinuierlich oder diskontinuierlich zoniert. Apophyllite aus der Sampo Mine in Japan weisen z. B. kaliumreiche Randzonen (Fluorapophyllit-(K)) und natriumreiche Kernzonen (Fluorapophyllit-(Na)) auf. Als âAlbinâ wurden Apophyllite von verschiedenen Fundorten bezeichnet, die mehr oder weniger in Calcit umgewandelt waren. Eine durch Spuren von Eisen olivengrĂŒn gefĂ€rbte VarietĂ€t von Island wurde âXylochlorâ (nach den griechischen Wörtern ΟÏÎ»ÎżÎœ [xylos] fĂŒr âHolzâ und ÏλÏÏÏÏ [chloros] fĂŒr âgrĂŒnâ) genannt.cite-ref-hintze-4-5[4] Die FĂ€rbung wird aber wahrscheinlich nicht durch Eisen, sondern durch Vanadium (siehe oben) erzeugt.
Bildung und Fundorte
Minerale der Apophyllitgruppe werden als sekundĂ€re Bildungen in HohlrĂ€umen und ehemaligen Gasblasen in Basalt, Phonolith oder anderen vulkanitischen Gesteinen gefunden. Begleitminerale sind fast immer Zeolithe wie Stilbit, Laumontit und Skolezit sowie Prehnit, Datolith und Pektolith. Solche Stufen stammen hĂ€ufig aus der indischen Provinz Poona. In Amphiboliten und Skarnen werden Apophyllite ebenfalls von Prehnit, Datolith und Pektolith begleitet. Ein zweiter Bildungsschwerpunkt sind alpinotype ZerrklĂŒfte wie z. B. in den Alpen, wo die Apophyllite ebenfalls von Zeolithen, aber z. B. auch von Fluorapatit begleitet werden. SchlieĂlich finden sich die Vertreter der Apophyllitgruppe auf hydrothermalen GĂ€ngen, wo sie wiederum mit bestimmten Zeolithen wie z. B. Harmotom und Analcim, aber auch mit Calcit, vergesellschaftet sind. Ein typischer Fundort fĂŒr diese Paragenese ist St. Andreasberg im Harz. SchlieĂlich kennt man auch Bildungen durch Thermalquellen wie z. B. in Mauerwerk der BĂ€der von PlombiĂšres-les-Bains, Vogesen, Lothringen, Frankreich, wo pyramidale Apophyllit-KristĂ€llchen auf traubigem Hyalit sitzen.cite-ref-hintze-4-6[4]
Weltweit sind bisher (Stand 2016) rund 1100 Fundstellen fĂŒr âApophylliteâ bekannt.cite-ref-mindatanzahl-apo-27-0[27] In ca. 320cite-ref-mindatanzahl-fluorapo-k-28-0[28] dieser LokalitĂ€tencite-ref-fundorte-fluorapo-k-29-0[29] wurde Fluorapophyllit-(K) nachgewiesen, in ca. 85cite-ref-mindatanzahl-hydroxyapo-k-30-0[30] Fundpunktencite-ref-fundorte-hydroxyapo-k-31-0[31] Hydroxyapophyllit-(K) und in ca. 10cite-ref-mindatanzahl-fluorapo-na-32-0[32] Fundpunktencite-ref-fundorte-fluorapo-na-33-0[33] Fluorapophyllit-(Na). FĂŒr die restlichen Fundorte kann nur â da keine Analysen existieren â undifferenziert âApophyllitâ angegeben werden.
Die TyplokalitĂ€t des Hydroxyapophyllit-(K) ist die Ore Knob Mine, Ore Knob, Ashe County, North Carolina, USA.cite-ref-mindattyplokalit-t-hydroxyapo-k-34-0[34] (ore-knob-mineKoordinaten der Ore Knob Mine36.4-81.329166666667). Die TyplokalitĂ€t des Fluorapophyllit-(Na) ist die Sampo Mine in Japan.cite-ref-mindattyplokalit-t-fluorapo-na-35-0[35]cite-ref-matsueda-23-1[23] FĂŒr Fluorapophyllit-(K) ist keine TyplokalitĂ€t ausgewiesen, jedoch ist der erste Fundort dieses Minerals die Sörgrubecite-ref-mindattyplokalit-t-fluorapo-k-36-0[36] bei HĂ€llestad unweit FinspĂ„ng in der Landskap Ăstergötland, was der heutigen schwedischen Provinz Ăstergötlands lĂ€n entspricht. HĂ€llestad ist identisch mit dem Ă€ltestbeschriebenen Apophyllit-Vorkommen von Carl Rinman.cite-ref-hintze-4-7[4]
Verwendung
Minerale der Apophyllitgruppe stellen aufgrund ihrer GröĂe, Farbe und ihres Glanzes und der Paragenese mit Zeolithmineralen in erster Linie fĂŒr Sammler interessante Bildungen dar. Fluorapophyllit-(K) ist aufgrund seines Kaliumgehaltes ein wichtiges Mineral zur 40Ar/39Ar- und Rb-Sr-Geochronologie.cite-ref-fleming-37-0[37] Da Minerale der Apophyllitgruppe aufgrund der sehr vollkommenen Spaltbarkeit schwierig zu behandeln sind, werden sie kaum verschliffen. Das beste Material zum Facettieren sind farblose Kristalle aus Indien, aus denen Steine bis zu 15 ct geschliffen werden. In der Smithsonian Institution in Washington, D.C. befindet sich ein farbloser Apophyllit mit steilen Facetten und einem Gewicht von 15,4 ct. Apophyllite mit Perlmuttglanz werden zu Cabochons verarbeitet.cite-ref-bukanov-38-0[38]
Siehe auch
Literatur
âą Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 739â740 (Erstausgabe: 1891).
âą Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie : Eine EinfĂŒhrung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und LagerstĂ€ttenkunde. 8. Auflage. Springer, Berlin Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-78200-1, S. 739â740 (Erstausgabe: 1983).
⹠Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 654.
âą Fluorapophyllite [Fluorapophyllit-(K)], In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF, 76 kB)
âą Hydroxyapophyllite [Hydroxyapophyllit-(K)], In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF, 70 kB)
âą Natroapophyllite [Fluorapophyllit-(Na)], In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF, 76 kB)
Weblinks
Commons
: Apophyllite
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Mineralienatlas:Apophyllit (Wiki)
âą Webmineral â Apophyllit
âą Mindat â Apophyllit
âą IMA/CNMNC List of Mineral Names; May 2016 (englisch, PDF 1,6 MB)
âą RRUFF Database-of-Raman-spectroscopy - Apophyllit
âą American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database - Liste von Strukturanalysen der verschiedenen Apophyllit-Einzelminerale
Einzelnachweise
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cite-note-klockmann-22. Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 739â740 (Erstausgabe: 1891).
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cite-note-matsueda-2323. â Hiruharo Matsueda, Yasuno Minurua, John Rucklidge (1981): Natroapophyllite, a new orthorhombic sodium analog of apophyllite - Description, occurrence, and nomenclature. In: American Mineralogist, Band 66, S. 410â423 (PDF, 1,36 MB).
cite-note-brewster-2424. â David Brewster: On a New Optical and Mineralogical structure, exhibited in certain specimens of Apophyllite an other minerals. In: The Edinburgh Philosophical Journal. Band 1. Verlag Archibald Constable and Company, Edinburgh 1819, S. 1â8 (online verfĂŒgbar in The Edinburgh Philosophical Journal S. 1 ff. in der Google-Buchsuche).
cite-note-hankel-2525. â Wilhelm Gottlieb Hankel: Ueber die thermoelektrischen Eigenschaften des Kalkspathes, des Berylles, des Idocrases (Vesuvianes) und des Apophyllites. In: Berichte ĂŒber die Verhandlungen der königlich sĂ€chsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig. Mathematisch-physische Classe. Band 26. Verlag S. Hirzel, Leipzig 1875, S. 465â472 (online verfĂŒgbar in Berichte ĂŒber die Verhandlungen der königlich sĂ€chsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig S. 465 ff. in der Google-Buchsuche).
cite-note-rinman-2626. â Carl Rinman: Versuch mit Zeolith oder Gaessten (Brausestein). In: Der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften Neue Abhandlungen aus der Naturlehre, Haushaltungskunst und Mechanik fĂŒr das Jahr 1784. Band 5. Verlag Johann Samuel Heinsius, Leipzig 1786, S. 51â68 (online verfĂŒgbar in Der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften Neue Abhandlungen aus der Naturlehre, Haushaltungskunst und Mechanik S. 51 ff. in der Google-Buchsuche).
cite-note-mindatanzahl-apo-2727. â Mindat â Anzahl der Fundorte fĂŒr die Apophyllitgruppe
cite-note-mindatanzahl-fluorapo-k-2828. â Mindat â Anzahl der Fundorte fĂŒr Fluorapophyllit-(K)
cite-note-fundorte-fluorapo-k-2929. â Fundortliste fĂŒr Fluorapophyllit-(K) beim Mineralienatlas und bei Mindat
cite-note-mindatanzahl-hydroxyapo-k-3030. â Mindat â Anzahl der Fundorte fĂŒr Hydroxyapophyllit-(K)
cite-note-fundorte-hydroxyapo-k-3131. â Fundortliste fĂŒr Hydroxyapophyllit-(K) beim Mineralienatlas und bei Mindat
cite-note-mindatanzahl-fluorapo-na-3232. â Mindat â Anzahl der Fundorte fĂŒr Fluorapophyllit-(Na)
cite-note-fundorte-fluorapo-na-3333. â Fundortliste fĂŒr Fluorapophyllit-(Na) beim Mineralienatlas und bei Mindat
cite-note-mindattyplokalit-t-hydroxyapo-k-3434. â Mindat - TyplokalitĂ€t fĂŒr Hydroxyapophyllit-(K)
cite-note-mindattyplokalit-t-fluorapo-na-3535. â Mindat - TyplokalitĂ€t fĂŒr Fluorapophyllit-(Na)
cite-note-mindattyplokalit-t-fluorapo-k-3636. â Mindat - Erstfundort von Fluorapophyllit-(K)
cite-note-fleming-3737. â Thomas H. Fleming, Kenneth A. Foland, David A. Elliot (1990): Apophyllite 40Ar/39Ar and Rb-Sr geochronology: Potential utility and application to the timing of secondary mineralization of the Kirkpatrick Basalt, Antarctica. In: Journal of Geophysical Research, Band 104, S. 20,081-20,095.
cite-note-bukanov-3838. â Vladimir Bukanov. Bunte Steine â Russian Gemstones Encyclopedia